Dossier Mindset

Die 3 wichtigsten Sätze aus meiner Therapie, die mir danach noch helfen

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Ich hatte das große Glück nicht nur schnell einen Therapieplatz zu finden, sondern zwischen mir und meiner Therapeutin stimmte auch noch ab der ersten Minute die Chemie. Ich treffe ziemlich direkt die Entscheidung, ob ich mit einem Menschen klar komme oder nicht, gerade wenn es um eine enge Zusammenarbeit wie zum Beispiel im Beruf geht, oder, wie hier, um ein enges Vertrauensverhältnis.

Damit bin ich auch schon mal ziemlich gegen die Wand gefahren, aber in den meisten Fällen kann ich mich darauf verlassen. Wie in diesem.

Sie hat mir viele kluge, tröstende und einleuchtende Sätze gesagt, diese aufgeweckte Frau in meinem Alter, die ich gerne geduzt hätte. Aber der professionelle Abstand war nötig, damit sie objektiv bleiben konnte und damit ich ihre Ratschläge auch wirklich als die einer Fachfrau verstand und nicht als die einer Freundin.

Die folgenden drei Sätze helfen mir auch heute, ein gutes Jahr nach Beendigung der Therapie weiter, wenn ich mir mal wieder selbst im Weg stehe.

1. „Erwarten Sie nicht, dass es Ihnen Freude macht.“

Sport ist ein probates Mittel gegen Depressionen und so legte mir auch meine Therapeutin dringend ans Herz, mich körperlich zu betätigen, um die Schieflage in meinem Serotonin-Haushalt wieder gerade zu biegen. Am liebsten hätte sie mich auf der Yogamatte turnen lassen, aber da musste ich ihr leider einen Korb geben.

Ich stand zu diesem Zeitpunkt extrem auf dem Kriegsfuß mit meiner Asanapraxis und allem, was damit zusammenhing, aber das ist eine andere Geschichte.

Joggen ist nicht mein Ding, Rudersport auch nicht wirklich, also einigten wir uns aufs Schwimmen. 45 Minuten am Stück bei moderatem Tempo, damit der Kreislauf und die Hormonproduktion wieder in Schwung kommen.

Ich war ein strebsamer Patient, da ich unbedingt wieder „die Alte“ werden wollte – auch das ist eine Geschichte für sich. Meine Therapeutin aber zügelte mich in meinem Tatendrang, da sie sofort merkte, dass ich im Begriff war in die gleiche Glücksfalle zu tappen, durch die ich mir meine Yogapraxis verdorben hatte.

„Es wird Ihnen gut tun,“ sagte sie zu mir. „Aber erwarten Sie nicht, dass es Ihnen Freude macht.“ Ich war enttäuscht. Ging es denn nicht genau darum, den Spaß wiederzufinden? Sich wieder glücklich zu fühlen bei dem was man tut? Nein. Ohne glücklich. Nur tun. Ohne Erwartungen.

Das war Yoga in seiner reinsten Form! Ohne Matte, Leggins, Räucherstäbchen. Zwischen Tür und Angel beim Aufwiedersehen sagen in der Praxis.

In der Bhagavad Gita fordert Krishna Ajurna dazu auf, zu handeln ohne dabei an die Früchte seines Handelns zu denken. Die Dinge tun, nur um des Tuns Willen. Und so bin ich so erwartungsfrei wie ich nur konnte in die Schwimmhalle gegangen, habe eine Bahn nach der anderen gezogen und ja, es hat mir keine Freude gemacht. Aber darüber habe ich mich gefreut.

2. „Würden Sie so mit Ihrer Tochter reden?“

Ich war wahnsinnig streng mit mir während der akuten Phase meiner Erkrankung, noch strenger als sonst. Das wurde mir klar, als ich für eine Übung aus der Gestalt-Therapie meinen drei verschiedenen Persönlichkeitsanteilen eine Stimme geben sollte: dem Kind, dem gesunden Erwachsenen und dem Kritiker.

Wenn diese drei Anteile in ihrem normalen Kräfteverhältnis zueinander stehen, dann gilt man als psychisch gesund. Wenn ein Ungleichgewicht herrscht, wie bei mir, also das Kind verängstigt ist, der Erwachsene geschwächt und der Kritiker übermächtig, dann heißt es Platz nehmen, reden und sich selbst dabei gut zuhören.

Auf dem „Kinderstuhl“ saß ich mit angezogenen Beinen und maulte, dass niemand mich ernst nähme und ich tausende von Ideen im Kopf hätte, ich aber nicht wüsste, wie ich sie umsetzen sollte.

Als ich danach den inneren Kritiker zur Sprache kommen ließ, der sich sofort meldete, hielt ich mir vor, doch sowieso nie etwas zu Ende zu bringen, warum sollte ich dann jetzt überhaupt anfangen, ich könnte es ja auch einfach bleiben lassen.

Und als Erwachsener trieb ich mich schließlich dazu an, mich auf den Hintern zu setzen und meine Ideen zu verwirklichen, das Handwerkszeug dazu hätte ich ja, ich müsse es eben einfach nur tun.

Und das war der Moment, in dem meine Therapeutin mich aus dem Szenario heraus nahm und fragte: „Wenn ihre Tochter mit einer Idee zu Ihnen kommt, reagieren Sie dann auch so?“ Nein, natürlich nicht!

Ich lobe sie für ihren kreativen Einfall und frage sie, wie ich ihr helfen kann, ihn in die Tat umzusetzen. Und genauso mache ich es seitdem (fast immer) mit mir. Ich greife mir unter die Arme, ermutige mich und gebe mir den Raum und die Zeit die ich brauche, um meine Ideen zu verwirklichen.

3. „Gute Besserung!“

Mit diesem kleinen Satz verabschiedete sich meine Therapeutin jedes Mal von mir und ich wunderte mich am Anfang darüber. „Wieso gute Besserung, ich bin doch nicht krank!“, dachte ich. Aber doch, genau das war ich. Das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht war: Wer krank ist, der kann auch wieder gesund werden.

Die Erschöpfungsdepression als eine vorübergehende Erkrankung zu erkennen hat mir sehr dabei geholfen, sie überhaupt zu akzeptieren. Sie nicht als ein Stigma anzusehen, einen Makel oder Stempel, den ich ab jetzt mit mir herumtrage.

Sondern ein temporäres Ungleichgewicht in meinem mentalen System, das wieder in Balance gebracht werden kann. Mit Zeit, Geduld und Kraft.

Heute bin ich wieder gesund, pflege meine Narben und schaue zu, dass ich die Hand ganz schnell wieder von der Herdplatte herunter ziehe, wenn ich sie doch mal wieder drauf gelegt habe.

Ich erinnere mich an diese drei Sätze, gehe auf die Yogamatte (ja, ich habe wieder meinen Frieden damit geschlossen), übe mich in Selbs-Bewusst-Sein und stärke meine mentales Immunsystem so gut ich kann.

Gibt es bestimmte Sätze, die dir in deinem Leben weiterhelfen? Ich freue mich über deinen Kommentar! Wenn wir weitergeben, was uns hilft, verdoppeln wir die Wirkung dessen. Sharing is caring. <3

 

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